Fachtherapeut/-in Psychiatrie

Fachtherapeut/-in Psychiatrie
Dauer
15 Monate
Förderung
Bildungsgutschein und weitere
Kosten
1.975,00 € inkl. Skript und Getränke
Fortbildungspunkte
200

Kursinhalt

Die Anzahl der Menschen – sowohl Erwachsene als auch Kinder –, die von psychischen Erkrankungen betroffen sind, hat in den letzten Jahren in Deutschland stetig zugenommen. Dies spiegelt sich deutlich in den Patientenzahlen psychisch kranker Patienten wider, die eine ergotherapeutische Behandlung erhalten. Das Arbeitsfeld Ergotherapie in der Psychiatrie wächst ständig an, mit großen Herausforderungen für den jeweiligen Therapeuten. Der Umgang mit psychiatrischen Patienten setzt ein Wissen über die Krankheitsbilder und gängigen Behandlungsmethoden voraus und fordert eine besonders gute Kommunikations- und Reflektionsfähigkeit. Der Therapeut muss in diesem Arbeitsfeld die Interaktion mit seinen Klienten besonders achtsam gestalten und Situationen schnell analysieren und anpassen können. Neben der fachlichen Herausforderung werden Ergotherapeuten bei der Arbeit mit psychiatrischen Patienten auch mit Ausnahmesituationen wie Gewalt, Sucht und Suizid konfrontiert.

Die Fortbildungsreihe „Fachtherapeut/-in Psychiatrie“ bietet ein umfassendes Spektrum ergotherapeutischer Behandlungen in der Psychiatrie. Die Teilnehmer erhalten einen Einblick in verschiedene diagnostische und therapeutische Möglichkeiten der psychiatrischen Krankheitsbilder. Zusätzlich werden Themen wie Gesprächsführung, Umgang mit schwierigen Patienten, Gewaltprävention und „Für-sich-selber-sorgen“ erarbeitet. Den Teilnehmern werden also nicht nur einzelne Krankheitsbilder und ihre standardisierte Behandlung vermittelt, sondern verschiedene Seminarinhalte angeboten, die die besonderen Herausforderungen im Arbeitsfeld Psychiatrie abdecken. Nach Abschluss der Weiterbildung sollen die Teilnehmer nicht nur über einen theoretischen Überblick, sondern auch über konkrete therapeutische Fähigkeiten verfügen, die sie dann in ihrem therapeutischen Alltag anwenden können.

Alle Dozenten verfügen über eine langjährige Erfahrung in der klinischen Arbeit mit psychischen Patienten sowie über Erfahrung als Referenten von Workshops. Viele von ihnen haben bereits ergotherapeutische Fachliteratur zum Thema ihres Seminars publiziert und können diese theoretischen Grundlagen für ihren Unterricht nutzen.

Die Fortbildungsreihe „Fachtherapeut/-in Psychiatrie“ läuft über ein Jahr. Es findet monatlich ein Wochenendseminar statt, die Seminare umfassen in der Regel 16 Unterrichtseinheiten. Zum Abschluss fertigen die Teilnehmer eine Fallarbeit an, die im Plenum präsentiert wird.

Lehrplan

In der Fortbildungsreihe werden folgende Themen angeboten:

Psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter und deren Diagnostik

Die Teilnehmer erhalten einen Überblick über die am häufigsten vorkommenden psychiatrischen und psychosomatischen Störungsbilder und deren Diagnostik im Rahmen der Ergotherapie.

Gesprächsführung

Die Teilnehmer können ein Bewusstsein für eigene Stärken und Schwächen ihres Gesprächsverhaltens entwickeln und ihr bisher intuitives Gesprächsverhalten theoretisch einordnen. Hierfür nutzen sie theoretische Konzepte der klientenzentrierten Gesprächsführung.

Einführung in die Systemische Therapie

An zwei Tagen wird die Grundhaltung systemischer Arbeit kontextbezogen vorgestellt. Mit Blick auf Beziehungsgestaltung, Allparteilichkeit und Zirkularität erleben wir, wie kleine Veränderungen große Unterschiede machen können. Praktische Werkzeuge helfen dabei, wieder einen klaren Blick auf Ressourcen zu entwickeln und Klienten dabei zu begleiten, ihren Weg zur Nutzung eigener Kompetenzen zu finden.

Umgang mit herausforderndem Verhalten, Konflikt- und Gewaltprävention, Medikamente

Aggressivität und Gewalt sind Teil unserer Gesellschaft und begleiten uns damit durch unser gesamtes Berufsleben, gerade auch im Gesundheitswesen. Wie kann ich damit umgehen und was macht das mit mir? Wie kann ich Gefahren erkennen und reduzieren? Was kann ich tun und was geht gar nicht? Eingebettet in das Konzept der Salutogenese und der Resilienz wollen wir dieses wichtige Gebiet theoretisch und praktisch erkunden. Natürlich gibt es keine Patentrezepte, aber wir werden die wichtigsten Regeln und Strategien, die sich in der Praxis bewährt haben, kennenlernen. Ein weiteres Thema wird die medikamentöse Behandlung psychiatrischer Erkrankungen sein. Stoffgruppen, erwünschte Effekte und die wichtigsten Nebenwirkungen werden wir im Kontext der jeweiligen Erkrankung besprechen.

Ergotherapeutische Befundung und Besonderheiten in der Behandlungsplanung und -durchführung

In jedem ergotherapeutischen Fachgebiet wird die Befundung den jeweiligen Besonderheiten der Erkrankungsbilder, Behandlungsmethoden und -notwendigkeiten angepasst. Je informativer die Befundung, umso spezifischer und individueller kann die Zielformulierung und Behandlungsplanung sowie die Evaluation der Behandlung ausfallen. Je nach psychopathologischer Dynamik ergeben sich Besonderheiten in der Behandlungsplanung und -durchführung. Einige davon werden in diesem Seminar bearbeitet.

Klientenzentriertes Arbeiten, Evidence based practice

Mit Hilfe des Canadian Model of Occupational Performance (CMOP) lernen die Teilnehmer ein Prozessmodell kennen, das die Partizipation der Klienten in den Vordergrund stellt. Warum ein klientenzentriertes Arbeiten in der Ergotherapie unumgänglich ist, wird mit Hilfe der ICF analysiert. Außerdem lernen die Teilnehmer praxisnahe Strategien, mit denen das ergotherapeutische Arbeiten auf seine Wirksamkeit überprüft werden kann, um so die Qualität der Behandlung zu sichern.

Sucht in der Psychiatrie/Suizidalität

Im Rahmen dieses Seminars werden zwei Themen abgedeckt. Zum einen nähern sich die Teilnehmer dem Thema Sucht in der Psychiatrie an. Welche Konzepte zum Umgang mit Suchtpatienten gibt es und wie finden diese in der ergotherapeutischen Arbeit Anwendung? 
Außerdem wir das Thema Suizidalität erarbeitet. Welche Möglichkeiten gibt es zur Prävention, aber auch zum Umgang mit einem Suizid? Wie kann das Thema z.B. sinnvoll mit anderen Klienten in der ergotherapeutischen Arbeit reflektiert werden?

Persönlichkeitsstörungen

Gerade in der Arbeit an einer psychiatrischen Einrichtung begegnen uns häufig Patienten, die nicht nur unter einer „einfachen“ psychischen Störung wie Angsterkrankung, Depression oder Essstörung leiden. Immer wieder haben wir es mit komplexen Krankheitsverläufen und vermeintlich therapieresistenten Patienten zu tun. Auffallend häufig zeigt sich die Beziehungsgestaltung zu solchen Menschen schwierig. Nicht selten können wir im Hintergrund eine Persönlichkeitsstörung, wie beispielsweise eine narzisstische, abhängige, zwanghafte oder histrionische Persönlichkeitsstörung, diagnostizieren, die dazu beiträgt, die vordergründigen psychischen Störungen aufrechtzuerhalten und viele persönliche Beziehungen der Patienten belasten. Gemeinsam ist den Persönlichkeitsstörungen, dass sie den Patienten meist nicht bewusst sind und daher auch einer therapeutischen Intervention nicht so leicht zugänglich sind. In der therapeutischen alltäglichen Arbeit kommt es immer wieder zu Konfliktsituationen, der Aufbau einer vertrauensvollen therapeutischen Beziehung fällt schwer. Nicht selten stellen sich aufseiten der Pfleger und Therapeuten Gefühle wie Ärger, Enttäuschung oder Resignation ein. 

Da Persönlichkeitsstörungen in erster Linie auch als Beziehungsstörungen verstanden werden können, wundert es nicht, dass gerade der Umgang mit diesen Patienten zu den schwersten Aufgaben von in der Psychiatrie tätigen Therapeuten gehört. Das Seminar soll den Teilnehmern einen guten Überblick über die wichtigsten Persönlichkeitsstörungen und ihre Manifestation im täglichen Umgang vermitteln. Dadurch sollen die Teilnehmer eine Sicherheit im Umgang mit schwierigen Patienten, eine professionellere Haltung gegenüber Konflikten und persönlichen Angriffen entwickeln. Darüber hinaus soll ein ressourcenorientierter Blick auf die verschiedenen Persönlichkeitsstörungen geworfen werden, der den Umgang in der therapeutischen Arbeit wesentlich erleichtert. Anhand von Fallbeispielen und Filmausschnitten sollen die Teilnehmer Persönlichkeitsstörungen, ihre Entwicklung und Hintergründe besser kennenlernen. Dafür kann die Reflexion eigener Persönlichkeitsstile von großem Nutzen sein. Schließlich geht es darum, sogenannte „Beziehungstests“ und Beziehungsmotive betroffener Patienten zu erkennen und verstehen zu lernen, um – auch in schwierigen Therapiesituationen – eine hilfreiche therapeutische Haltung einnehmen zu können.

Interprofessionelle Versorgungskonzepte

Interprofesionelle Zusammenarbeit ist nur da notwendig, wo die Klientinnen und Klienten komplexe Hilfefragen haben und somit eine reibungslose Kooperation an den Schnittstellen für die Versorgungsqualität notwendig ist. Dies ist bei Menschen mit psychiatrischen Diagnosen fast immer der Fall.
In diesem Seminar wird die ICF als Grundlage einer gemeinsamen Fachsprache der Disziplinen vermittelt. Außerdem bekommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Wissen und Fertigkeiten über die besondere Rolle von Ergotherapeuten im Rahmen interprofessioneller Versorgungsansätze vermittelt.
Eine neue Perspektive auf das Berufsbild der Ergotherapie entsteht durch das Konzept der Therapielotsen.

Für sich selber sorgen

Ergotherapeuten erleben in ihrem Berufsalltag eine Vielfalt von Anforderungen. Die Interaktion mit den Patienten kann dabei ebenso zur Belastung werden wie die Zusammenarbeit im interdisziplinären Team oder die Herausforderungen denen sie sich im stetig wandelnden Klinikbetrieb stellen müssen. Für sich selber sorgen, die eigenen Belastungsgrenzen wahrnehmen und einen Ausgleich im aufreibenden Arbeitsalltag finden sind Herausforderungen, denen sich psychiatrietätige Ergotherapeuten stellen müssen. In diesem Fortbildungsmodul werden Kenntnisse und Kompetenzen zur Gesundheitsvorsorge und Prävention vermittelt. Das Konzept der Salutogenese und der Resilienz wird vorgestellt und beide Konzepte werden anhand verschiedener erlebnisorientierter Übungen erfahrbar gemacht. Ziel ist die Aneignung von Strategien zur Stärkung der eigenen Gesundheit und psychischen Belastbarkeit.

Abschluss

Zum Ende der Fortbildungsreihe „Fachtherapeut/-in Psychiatrie“ erhalten Sie ein Trägerzertifikat.

Zielgruppe

Die Fortbildungsreihe richtet sich an ausgebildete Ergotherapeuten.

Förderungen

  • Bildungsgutschein
  • Sonstige Förderung der Bundesländer

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Standorte und Termine

Köln
Sa. 05.05.2018 - So. 16.06.2019 Terminverlauf zeigen Mehr Infos

samstags und sonntags von 09.00 bis 16.15 Uhr

05.05. – 06.05.2018
Psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter und deren Diagnostik
Referent: Béla Paschen

16.06. – 17.06.2018
Klientenzentriertes Arbeiten, Evidence Based Practice
Referentin: Benigna Brandt

14.07. – 15.07.2018
Umgang mit herausforderndem Verhalten, Konflik- und Gewaltprävention, Medikamente
Referent: Detlef Wiechers

22.09. – 23.09.2018
Persönlichkeitsstörungen
Referent: Bèla Paschen

17.11. – 18.11.2018
Ergotherapeutische Befundung
Referentin: Benigna Brandt

08.12. – 09.12.2018
Betätigungsorientierte Interventionen in der Psychiatrie
Referentin: Aileen Späth

12.01. - 13.01.2019
Gerontopsychiatrie, Validation
Referentin: Margret Muth-Köhne

16.02. – 17.02.2019
Gesprächsführung
Referentinnen: Heike Lagemann

16.03. – 17.03.2019
Einführung in die Systemische Therapie
Referentin: Marion Kallina

06.04. – 07.04.2019
Sucht in der Psychiatrie/Suizidalität
Referent: Béla Paschen

11.05. – 12.05.2019
Für sich selber sorgen (im herausfordernden Arbeitsfeld Psychiatrie)
Referentin: Beate Kubny

15.06. – 16.06.2019
Präsentation der Fallarbeit
Koordination: Benigna Brandt

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