Die Behandlung peripherer Facialisläsionen nach Perfetti

Die Behandlung peripherer Facialisläsionen nach der Neurokognitiven Rehabilitation nach Carlo Perfetti
Dauer
3 Tage
Förderung
Bildungsprämie und weitere
Kosten
400,00 € inkl. Skript und Getränke
Fortbildungspunkte
27

Kursinhalte

Viel wurde bereits über Läsionen und Pathologien des Facialisnerves geschrieben, ausreichend auch über die Therapieformen, die als möglichst nützlich zur Bewegungswiederherstellung des Gesichtes angesehen werden. Aber defintiv wenig hat man über die Wiederherstellung des Gesichtes gesprochen. Das Gesicht, interpretiert als rezeptorielle (wahrnehmende) Oberfläche, die in der Lage ist, sich zu fragmentieren (gleichzeitig in entgegengesetzte Richtungen zu bewegen), um Erkenntnis (Erkennungsprozesse) zu konstruieren, die für Kommunikation, Intention und Emotionen nötig sind.

Das Gesicht des Menschen ist eben Sprache (verbal und nonverbal), Ausdruck der Gefühle, des Emotionsstatus` und der eigenen Identität.
Mittels unseres Gesichtes sprechen, fühlen, sehen, schmecken wir und drücken uns aus. Unsere Ausdrucksformen ermöglichen den anderen, das zu verstehen, was wir wollen oder verneinen.
Das Gesicht der Mama ist das Fenster der Welt des kleinen Kindes und über dieses macht es Erfahrungen des Lächelns, des Weinens und der Konsequenzen dieser Emotionen, der Frage und der Erwartung neben der Antworten, die es erhält. Und mittels des Spieles der Blicke, der Grimassen, de Ausdrücke und Berührungen zwischen Mutter und Kind lernt dieses zu verstehen und sich verständlich zu machen.

Das Gesicht repräsentiert, so wie die Hand, eines der intimsten Körperteile des Menschen und ist zugleich sozial und offen gegenüber der Welt, wo sich seien Fähigkeit zur multisensorischen Integration auf höchstem Niveau widerspiegelt.
Die Multisensorik des Gesichtes versteht man sehr gut, wenn man nur an die Tatsache denkt, dass zu eben diesem Körperteil auch die Augen, der Mund, die Nase und die Ohren gehören, nicht zu vergessen ist auch die Bedeutung des Kontaktes im und mit dem Gesicht. Die gemeinsame Erfahrung ist der Genuss des Gesichtes, das in den Haaren eines Kindes oder einer anderen gelliebten Person eintaucht, der Kontakt mit einem Mund, der küsst oder geküsst wird und die zärtliche Berührung einer Hand.
Ein „Gesicht in zwei Hälften…,“ „totes Fleisch, auf das ich drauf beiße…“, „der da bin nicht ich…“, „wie eine alte Matratze…“ All das sind nur einige metaphorische Ausdrücke, die Patienten mit Facialisläsionen benutzen, um zu versuchen zu beschreiben, was sie spüren und empfinden, nachdem sie diese kommunikative und emotionale Fähigkeit verloren haben: „Die Unfähigkeit, mich mit dem Gesicht ausdrücken zu können, blockiert auch meine Emotion… Ich schaffe es nicht mehr, das gleiche zu empfinden wie vorher“.
Diesen Patienten einfache und grobe Muskelkontraktionen im Gesicht wieder zu geben, ist nicht ausreichend und dürfte nicht als (wirkliche) Aufgabe des Therapeuten, noch weniger als die eines neurokognitiven Therapeuten angesehen werden.
ORGANIsation und Inhalte

Wähend des Kurses sprechen wir über:

  • die neurokognitive Interpretation der Pathologie des Patienten mit Läsion des Facialisnervs (Das Profil)
  • die Bedeutung des Vergleichs von Aktionen bei Läsionen des Facialisnerves
  • neue Erkenntnisse und Interpretationen der Parese des Facialisnerves
  • Plastizität des zentralen und peripheren Nervensystems (neuste neurophysiologische Erkenntnisse)
  • Rolle der erlebten Erfahrung und des präläsionalen Gedächtnisses bei der Wiederherstellung des Gesichtes
  • Übungen mittels Vergleich von (Alltags-)Aktionen/Handlungen und mittels multisensorischer Integration zur Wiederherstellung von Aktionen/Handlungen und Emotionen des Gesichtes
    Es werden zahlreiche Behandlungsbeispiele von Patienten via Video gezeigt, die den Teilnehmern ermöglichen, den Einsatz der Therapiematerialien in den Übungen und der neurokognitiven Instrumente (Lernmittel, wie z.B. Instruktionen, Sprache, Hervorrufen einer Imagination, Suche nach Ähnlichkeiten und Unterschieden mittels Vergleich….) in den Übungen zu erlernen, welche für die Führung innerhalb der Übungen esssentiell sind.
  • Darüber hinaus wird während des Kurses eine Patientin live befundet und behandelt und auch Zeit für Selbsterfahrung in der Gruppe eingeräumt.

Konzept

Der italienische Neurologe Prof. Carlo Perfetti entwickelte aus der damaligen Unzufriedenheit der Handrehabilitation im Bereich der Neurologie in den 70er Jahren auf der Basis von wissenschaftlichen Studien ein neues Therapiekonzept. Es besagt, dass die Qualität der Wiederherstellung/ des Rehabilitationsresultates wesentlich von den aktivierten kognitiven Prozessen und der Art und Weise, wie sie untereinander aktiviert werden, abhängt.

Die Aufmerksamkeit des Patienten spielt eine große Rolle. Lernen ist ohne Aufmerksamkeit nicht möglich (Studie G. Recanzone, 2000: „Cerebral cortical plasticity perception and skill acquisition“). Durch das gezielte Lenken der Aufmerksamkeit und der Interaktion von Wahrnehmung und Sensibilität werden kognitive Prozesse angeregt, die dazu führen, Kontrolle über pathologische Elemente zu erlangen und anpassbare und variable Bewegungen anzubahnen. Aus diesem Grund wird im Konzept nach Perfetti die Rehabilitation als Lernprozess unter pathologischen Bedingungen betrachtet. Der Körper wird als rezeptorielle (wahrnehmende) Oberfläche angesehen, die dank ihrer Fragmentierung (gleichzeitige Bewegung von mehreren Gelenken in verschiedene Richtungen) in der Lage ist, dem Zentralnervensystem jene Informationen zukommen zu lassen, die es zur korrekten Planung von Bewegung benötigt.

Praktische Umsetzung

Der Patient wird mittels einer auf den Körper bezogenen kognitiven Übung (Fragestellung) eingeladen, seine Aufmerksamkeit auf betroffene, meist wahrnehmungsgestörte Körperbereiche zu lenken, Informationen zu konstruieren und die ihm gestellte Aufgabe zu lösen. Um hauptsächlich somästhetische Reize verarbeiten zu lassen, werden die Übungen mit geschlossenen Augen durchgeführt. Über kognitive Übungen wie diese erlangt der Patient eine zentrale Kontrolle über pathologische Elemente – ohne dass der Therapeut muskeldehnend oder fazilitierend eingreift.

 

Empfehlung

Die Teilnahme am Einführungskurs zu den kognitiv therapeutischen Übungen nach Prof. C. Perfetti (AIDETC) im Vorfeld wird empfohlen. Wenn Sie die Inhalte des Buches „Der hemiplegische Patient. Kognitiv-therapeutische Übungen“ (Autoren: Carlo Perfetti, Susanne Wopfner-Oberleit, Annelies Dieplinger-Falchetto; Pflaum-Verlag) kennen, ist dies ebenfalls ausreichend.

Fachübersetzung

Regina Klossek, Ergotherapeutin, Dozentin (AIDETC), Kommunikationstrainerin

Durchführendes Institut

Institut für Neurokognitive Rehabilitation nach Prof. Carlo Perfetti


www.nkr-perfetti.de

Abschluss

Sofern Sie mindestens 90% der Fortbildung absolviert haben, erhalten Sie ein Trägerzertifikat.

Zielgruppe

Diese Fortbildung richtet sich an ausgebildete Ergotherapeuten und Logopäden

Förderungen

  • Bildungsprämie
  • Sonstige Förderung der Bundesländer

Standorte und Termine

Köln
Do. 26.10.2017 - Sa. 28.10.2017 Terminverlauf zeigen Mehr Infos
donnerstags und freitags von 9.00 bis 17.30 Uhr, samstags von 9.00 bis 13.00 Uhr

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