Einführungskurs zu den kognitiv-therapeutischen Übungen nach Prof. C. Perfetti (AIDETC anerkannt)
| Köln | 02.03.2012 - 03.03.2012 Freitag und Samstag jeweils von 09.00 bis 18.00 Uhr Buchungscode: 410840.1 Kosten: 225 € inkl. Skript und Pausenkaffee |
| Marburg | 13.07.2012 - 14.07.2012 Freitag & Samstag, jeweils von 09.00 bis 18.00 Uhr Buchungscode: 410884.1 Kosten: 225 € inkl. Skript und Pausenkaffee |
| Köln | 30.11.2012 - 01.12.2012 Freitag & Samstag, jeweils von 09.00 bis 18.00 Uhr Buchungscode: 410841.1 Kosten: 225 € inkl. Skript und Pausenkaffee |
| Referent | Regina Klossek |
| Förderung | Fördermöglichkeiten im Überblick |
| Fortbildungspunkte | Für dieses Seminar erhalten Sie 20 Fortbildungspunkte. |
Seminarbeschreibung
Dieser Kurs bietet Ihnen die Möglichkeit, die theoretischen und praktischen Grundlagen des Konzeptes der kognitiv-therapeutischen Übungen im Rahmen der Behandlung von hemiplegischen Patienten zu erlernen.
Wir verdeutlichen Ihnen, inwiefern Bewegungsfähigkeit in einem engen Zusammenhang mit kognitiven Prozessen wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Imagination und Sprache gesehen werden sollte. Der Körper wird als rezeptorielle Oberfläche betrachtet, die dank ihrer Fragmentierung in der Lage ist, dem ZNS wichtige Informationen zukommen zu lassen: Informationen, die für das Erkennen bzw. für die Sinngebung der Welt notwendig sind. Nur so können Bewegungen adäquat geplant und ausgeführt werden.
Wir erläutern Ihnen, wie spezifische pathologische Elemente eines hemiplegischen Patienten diesen physiologischen Prozess behindern, wie sie entstehen und wie therapeutisch sinnvoll interveniert werden sollte. Diese theoretischen Grundlagen werden dann werden anhand eines konkreten Patientenbeispiels in die Praxis umgesetzt (Befundaufnahme und Entwicklung adäquater Übungen).
Die speziell für das Konzept der kognitiv-therapeutischen Übungen entwickelten Therapiemittel werden vorgestellt und im praktischen Teil in Selbsterfahrung erprobt.
Die strukturelle Unterteilung des Kurses ist so beschaffen, dass vormittags die Theorie und nachmittags Praxis und Selbsterfahrungsanteile (zur Benutzung der spezifischen Hilfsmittel) durchgeführt werden. Im Praxisteil wird ein Patient gemeinsam befundet, sodass am Folgetag adäquate Übungen gemeinsam in der Gruppe entwickelt, am Patienten durchgeführt und anschließend wieder in der Gruppe reflektiert werden können.
Um zum Abschluss der Fortbildung ein Zertifikat zu erhalten, ist Voraussetzung, dass an mindestens 90% des Kurses teilgenommen wird.
Konzeptbeschreibung
Der italienische Neurologe Prof. Carlo Perfetti entwickelte aus der damaligen Unzufriedenheit der Handrehabilitation im Bereich der Neurologie in den 70er Jahren auf der Basis von wissenschaftlichen Studien ein neues Therapiekonzept. Es besagt, dass die Qualität der Wiederherstellung/des Rehabilitationsresultates wesentlich von den aktivierten kognitiven Prozessen und der Art und Weise, wie sie untereinander aktiviert werden, abhängt.
Ein für uns Therapeuten wichtiger kognitiver Prozess stellt zum Beispiel die Aufmerksamkeit dar. Lernen ist ohne Aufmerksamkeit nicht möglich (Studie G. Recanzone, 2000: „Cerebral cortical plasticity perception and skill acquisition“). Weitere wichtige Prozesse sind:
- Wahrnehmung
- Vorstellung
- Gedächtnis
- Imagination
- Sprache
Je besser es gelingt, diese Fähigkeiten auch in ihrer Interaktion wiederherzustellen, desto besser ist die Möglichkeit, eine Kontrolle pathologischer Elemente zu erlernen sowie anpassbare und variable Bewegungen anzubahnen.
Das Konzept – die drei Basisprinzipien
Aus diesem Grund betrachtet das Konzept die Rehabilitation als Lernprozess unter pathologischen Bedingungen. Der Körper wird als rezeptorielle (wahrnehmende) Oberfläche angesehen, die dank ihrer Fragmentierung (gleichzeitige Bewegung von mehreren Gelenken in verschiedene Richtungen) in der Lage ist, dem ZNS jene Informationen zukommen zu lassen, die es zur korrekten Planung von Bewegung benötigt.
Bereits die Studie von John F. Kalaska („parietal cortex area 5: a neuronal representation of movement kinematics for kinaesthetics perception and movement control“) bewies die Aktivierung des sekundär sensorischen (Areal 5) vor der Aktivierung des primär motorischen Areals 4. Daher wird Bewegung als Aktion gesehen, die zur Interaktion mit der Realität, abgezielt als Erkenntnisprozess, beiträgt. Das heißt als Mittel, um der Umwelt einen Sinn zuzuschreiben, dessen Planung auch eine muskuläre Kontraktion beinhaltet.
Praktische Umsetzung
Der Patient wird mittels einer auf den Körper bezogenen kognitiven Übung (Fragestellung) eingeladen, seine Aufmerksamkeit auf betroffene, meist wahrnehmungsgestörte Körperbereiche zu lenken, Informationen zu konstruieren und die ihm gestellte Aufgabe zu lösen. Über kognitive Prozesse wie diese sind bereits erste Kontrollmöglichkeiten pathologischer Elemente zu beobachten, ohne dass jemals muskeldehnend oder fazilitierend vom Therapeuten eingegriffen wurde.
Der Patient erlangt also eine zentrale Kontrolle über pathologische Elemente in der Peripherie mittels gezielter Aufgabenstellung des Therapeuten. Um hauptsächlich somästhetische Reize verarbeiten zu lassen, werden die Übungen mit geschlossenen Augen durchgeführt. Die therapeutischen Übungen werden analog zu den neuen Erkenntnisse stetig weiterentwickelt.
Dabei kam es auch zur Integration des Einsatzes der motorischen Imagination, welche bereits seit vielen Jahren zum Beispiel im sportlichen und musikalischen Bereich erfolgreich angewandt werden. Diese wurden in dem Konzept auf der Basis wissenschaftlicher Studien seit den 90er Jahren in die praktische Umsetzung integriert.
Wenn auch Sie eine ganzheitliche Sichtweise Ihrer Patienten bevorzugen, wird dieses Konzept genau Ihren Vorstellungen entsprechen und der komplexen Pathologie Ihrer Patienten auf adäquate Art begegnen können.

